Iceland – Adventure Awaits

islandAus­lands­prak­tikum unserer angehen­den Sozial­assis­tent(inn)en in Island

Auch in diesem Jahr reiste wieder eine Gruppe Schülerinnen und Schüler mit dem Erasmus+-Programm nach Island. Die Schülerinnen und Schüler der SozAss 17 absolvierten im November und Dezember 2018 ein fünfwöchiges Auslandspraktikum im Rahmen unseres Betriebspraktikums. Sie waren in drei unterschiedlichen Kindergärten in der Stadt Akureyri eingesetzt, die bereits in den letzten Jahren erfolgreich mit uns kooperierten.

Bevor sie sich in dieses Abenteuer stürzten, nahmen sie gemeinsam an einem von Frau Dr. Reppe durchgeführten Vorbereitungskurs teil. Es galt für alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler, die Herausforderung der ersten längeren Auslandsreise zu meistern. Die Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit der isländischen Bevölkerung ließ ihnen keine Chance, sich in diesem großartigen Land fremd zu fühlen.

Das Arbeitsprogramm einer Erasmus+-Mobilität für Berufsbildungspersonal ermöglichte mir, unsere Schülerinnen und Schüler beim Start ihres Praktikums zu begleiten, das isländische Bildungssystem kennenzulernen und in den isländischen Kulturkreis einzutauchen.

Am ersten meiner vier Aufenthaltstage in Akureyri besuchten wir gemeinsam die Kindergärten, in denen unsere Schülerinnen und Schüler die nächsten fünf Wochen eingesetzt werden sollten. Nach den jeweiligen Vorstellungsrunden wurden wir durch die Einrichtungen geführt. Wir erlebten, wie schon die kleinsten isländischen Kinder ohne Scheu vor dem rauen Wetter jeden Tag – gut eingepackt in wetterfeste Overalls – eine Zeit lang draußen spielten. Am Nachmittag übten wir die Wege mit dem öffentlichen Nahverkehr, bevor wir am Abend unseren ersten Isländischkurs absolvierten.

An den beiden folgenden Tagen hospitierte ich im Unterricht am Akureyri Comprehensive College und besuchte unsere Schülerinnen und Schüler. Das College ist für die Auswahl der Kindergärten und die Betreuung unserer Praktikantinnen und Praktikanten verantwortlich. Ich tauschte mich mit vielen der Lehrerkolleginnen und -kollegen über die Besonderheiten des isländischen wie des deutschen Bildungssystems aus.

Mein Eindruck wurde geprägt durch den toleranten Umgang der isländischen Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern. Bei Verspätung, Handynutzung und Mitarbeit im Unterricht legten sie weniger Strenge an den Tag als wir deutschen Lehrkräfte. Ihr Umgangston war sehr respektvoll und persönlich. Die besondere Gelassenheit auszustrahlen, ohne dabei an Verbindlichkeit zu verlieren, gab mir Inspiration für meinen eigenen Unterricht.

Am letzten Tag meines Aufenthaltes fuhren wir gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern und unserer deutsch-isländischen Kollegin vor Ort, Anke-Maria, zu den imposanten Godafoss-Wasserfällen und dem verwunschenen Lake Myvatn. Dies war ein schöner Abschluss einer erfahrungsreichen Reise.

island 2Die Godadoss-Wasserfälle in Island

An dieser Stelle möchten wir auch Frau Dr. Reppe herzlich für ihr großartiges Engagement und die Etablierung dieser gelungenen Kooperation zwischen dem Akureyri Comprehensive College und der August-Sander-Schule danken.

Das College ist die größte Berufsschule außerhalb Reykjaviks. Ebenso wie in Deutschland gibt es in Island einen großen Bedarf an technisch und handwerklich ausgebildeten Fachkräften. Ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in Handwerksberufen wird durch eine Prämienregelung gefördert.

Beeindruckend sind neben der umfassenden Schulausstattung die vielen interessanten Projekte und Angebote, in denen Künstler/-innen, Filmemacher/-innen und Fachkräfte aus der Wirtschaft eingebunden sind. Weiterhin stehen den Schülerinnen und Schülern neben einer hervorragend ausgestatteten Bibliothek und einem Schiffssimulator auch Theaterprogramme, Ateliers, Küchen und Werkstätten zum Lernen und kreativen Arbeiten zur Verfügung. An historischen Webstühlen lernen Schülerinnen und Schüler alte isländische Webtechniken und jedes Jahr bauen die verschiedenen Gewerke gemeinsam ein komplett ausgestattetes Blockhaus, das dann versteigert wird.

Für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen wie Lernbehinderungen oder körperlichen Einschränkungen sieht das Akureyri Comprehensive College einen sonderpädagogisch-inklusiven Ansatz vor.

Am College lernen auch ausländische Schülerinnen und Schüler, zum Beispiel aus Polen, Syrien und dem Libanon. Englisch ist die am meisten gesprochene Zweitsprache. TV-Programme werden häufig in Englisch ausgestrahlt. Dadurch fällt den isländischen Schülerinnen und Schülern das Englischsprechen vergleichsweise leicht. So stehen kaum Sprachbarrieren zwischen ihnen und den ausländischen Gästen oder Kommiliton(inn)en.

Nachdem im vergangenen Jahr eine Delegation des Colleges die August-Sander-Schule besuchte, berichteten bei meinem diesjährigen Besuch noch viele isländische Kolleginnen und Kollegen positiv von ihren Eindrücken aus unserer Schule. Sie waren von der inhaltlichen Tiefe des Unterrichts, aber auch der Konsequenz in der Durchsetzung von Verhaltensregeln und der technischen Ausstattung beeindruckt. Meine isländischen Kolleginnen und Kollegen und ich stimmen darin überein, dass die Kooperation zwischen den beiden Partnerschulen eine Inspiration für alle Seiten darstellt.

Kathleen Schoknecht

 

 

Bildnachweis
© 2018 Kathleen Schoknecht, August-Sander-Schule